Formel 1 NEWS

Bye, bye Alpine!

Fernando Alonso wird Nachfolger von Sebastian Vettel bei Aston Martin

© IMAGO/Eleanor Hoad / Aston Martin


von Timo C. Storost
01.08.2022, 12:36 Uhr


Nur vier Tage nach dem Sebastian Vettel seinen Formel 1-Abschied am Ende der Saison angekündigt hatte und eine Welle der Spekulationen losgetreten wurde, wer ihn denn ab 2023 ersetzen könnte und sich bis dato auch das Team zurückhielt, ist die Entscheidung nun offiziell getroffen worden.

Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso, der nach seinem Formel 1-Comeback für das französische Team Alpine fährt und dabei regelmäßig in die Punkte fährt und sogar beim Qualifying zum Großen Preis von Kanada auf den zweiten Startplatz raste, wird ab der Saison 2023 für die Traditionsmarke Aston Martin fahren und damit Sebastian Vettel ersetzen.

„Niemand in der Formel 1 zeigt derzeit eine größere Vision und absolutes Engagement für den Sieg“

Es überrascht dann doch ein wenig, da derzeit das Alpine-Team deutlich stärker, als das Aston Martin-Team ist. In der Konstrukteurs-WM liegt Alpine derzeit auf Rang 4, während die Traditionsmarke mit Platz 9 auf dem vorletzten Rang liegt. Doch Alonso glaubt an Aston Martin, wenn er sagt: „Niemand in der Formel 1 zeigt derzeit eine größere Vision und absolutes Engagement für den Sieg, und das macht es zu einer wirklich spannenden Gelegenheit für mich.“

Er bezeichnet Aston Martin zudem als „aktuell eines der aufregendsten Teams in der Formel 1.“

Auch das Team selbst freut sich auf den zweimaligen Weltmeister vonn 2005 und 2006: „Das gesamte Unternehmen freut sich sehr darauf, Fernandos unglaubliche Erfahrung und sein brillantes Tempo und Renngeschick mit dem Team zusammenzubringen“, lässt man in der offiziellen Pressemitteilung verlautbaren.



Es war kein Geheimnis, dass Fernando Alonso gerne noch ein, zwei Jahre in der Formel 1 fahren möchte, wie er selbst immer wieder betonte: „Ich habe noch immer den Hunger und den Ehrgeiz, an der Spitze mitzukämpfen“, lässt er ausrichten. Am vergangenen Freitag wurde der Spanier 41 Jahre alt und zeigt regelmäßig, dass er immer noch vorne mitfahren kann, wenn man ihm ein einigermaßen konkurrenzfähiges Auto zur Verfügung stellt. Dass das nicht automatisch gegeben ist, selbst wen man für ein Traditionsteam fährt, musste Alonso bereits schmerzhaft erfahren, als er vor einigen Jahren für McLaren fuhr.

Jedoch scheint Fernando Alonso, der gewiss ein Risiko mit Aston Martin eingeht, an das Team, an die Fortschritte und Weiterentwicklungen zu glauben. Der auf Abschiedstournee befindende viermalige Weltmeister Sebastian Vettel, schien das mit seinem verkündeten Formel 1-Rückzug nicht mehr zu sehen. Für Alonso war es allerdings auch eine etwas prekäre Situation, denn einerseits hat er immer seinen Wunsch geäußert, auch über die Saison 2022 in der Formel 1 bleiben zu wollen, andererseits hatte Alpine mit Oscar Piastri ein neues Supertalent, dass man ungern an die Konkurrenz abgeben wollte. Dazu würde es allerdings gekommen, wenn man Piastri für 2023 nicht als Stammfahrer verpflichten würde. Eine Entscheidung, wer an der Seite für Esteban Ocon nächstes Jahr fahren wird, steht noch aus. Alonso selbst war – zumindest – bis zum verkündeten Vettel-Abschied in der Zwickmühle, denn große Alternativen außer weiterhin für Alpine zu fahren, hätte es kaum gegeben. Aber durch den Vettel-Abschied, hat sich für den Spanier eine Tür aufgemacht, die beide Seiten jetzt genutzt haben.

Formel 1-Reporter und Champ1-Experte Kai Ebel sagt dazu: „Fernando Alonso ist eine gute Wahl. Er hat die Klasse und Erfahrung, das Team nach vorne zu bringen.“

Es kursierten viele Namen, die Sebastian Vettel ersetzen könnten, darunter auch der Aston Martin-Ersatzfahrer Nico Hülkenberg, für den es auch im kommenden Jahr keinen Stammfahrerplatz geben wird, was Formel 1-Kommentator Heiko Wasser und Champ1-Experte ein wenig bedauert: „Ich hätte mir zwar Nico Hülkenberg bei Aston Martin gewünscht, aber Fernando Alonso ist auch ein guter Move. Zum einen hat er Erfahrung und kann das Auto entwickeln, was mit Lance allein sicherlich nicht funktioniert hätte und zum anderen hat er einen guten Ruf, einen guten Namen und einen hohen Stellenwert in der Formel 1 und ist daher auch für Sponsoren sehr interessant. Glückwunsch Aston Martin.“

Auf Champ1-Anfrage, sieht auch Ex-Mercedes-Motorsportchef und Champ1-Experte Norbert Haug in der Neuverpflichtung Fernandos bei Aston Martin eine Chance für das Team: „Sicher eine gute Wahl. Alonso kann das Team weiterbringen, gehört zu den Erfahrensten und wohl auch immer noch zu den Guten.“

Wie Formel 1-Kommentator und Champ1-Experte Marc Surer sagt, bot Alpine ihm nur einen Einjahres-Vertrag an: „Für mich hat Alonso blitzschnell zugeschlagen. Alpine wollte ihm offensichtlich nur einen Einjahres-Vertrag geben mit einer Option. Jetzt hat er mindestens einen Zweijahres-Vertrag mit einer Option. Und natürlich, wie er selbst sagt, es sind gute Leute gekommen. Von Mercedes sind gute Leute zu Aston Martin gekommen und auch von Red Bull. Das heißt, es sieht ganz danach aus, dass es aufwärts gehen müsste mit dem Team. Und das ist seine Chance, er will ja wieder Rennen gewinnen. Also schnelle Entscheidung von Alonso und ich glaube, es ist gut für beide Seiten.“

Neben Nico Hülkenberg, gab es zahlreiche weitere Spekulationen. Einer der prominentesten Namen war sicherlich Mick Schumacher, der für die kommende Saison noch keinen neuen Vertrag besitzt. Sowohl der Sohn des siebenmaligen Weltmeisters, als auch Aston Martin-Teamchef Mike Krack haben in Interviews stets bekräftigt, alle Optionen ausloten zu wollen. Mit der Verpflichtung Alonsos ist aber klar, dass Mick Schumacher nicht zu Aston Martin wechseln wird. Einzige Möglichkeit ist das US-Team Haas, für den Schumi jr. seit eineinhalb Jahren fährt.

Haas-Teamchef Günther Steiner erklärte jüngst im exklusiven Champ1-Interview, dass eine Entscheidung nicht vor der Sommerpause ergehen wird. Gleichzeitig hielt er sich auch auf die Frage, ob er sich persönlich wünschen würde, mit Mick weiterzumachen, zurück. Klar ist, die Entscheidung, wer für Haas fährt, nicht alleine bei Steiner liegt. Die Scuderia Ferrari hat bezüglich eines Cockpits, in dem Mick derzeit sitzt, ein Mitspracherecht.

Zweifelsohne werden auch die kommenden Tage und Wochen spannend. Unklar ist zudem auch noch, wie es für McLaren-Pilot Daniel Ricciardo im nächsten Jahr weitergehen wird. Der Australier hinkt seit seinem Engagement bei McLaren deutlich seinen eigenen, aber vor allem auch der Erwartungen des Teams hinterher, während sein Teamkollege Lando Norris meist weit vor ihm ins Ziel kommt und bislang die meisten WM-Punkte nach Hause gebracht hat. Teamchef Andreas Seidl hat zwar jüngst erklärt, Ricciardo werde auch im kommenden Jahr weiterfahren, doch ob diese Entscheidung so definitiv ist, scheint angesichts seiner bisherigen Leistungen mehr als zweifelhaft zu sein.






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