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10. Saison-Sieg: Super Max gewinnt vor Oranje-Armee – Ferrari wird zur Witzfigur

© Dan Mullan/Getty Images


von Timo C. Storost
04.09.2022, 18:12 Uhr


© Dan Mullan/Getty Images
Max Verstappen hat vor über 100.000 Zuschauer, wie schon im vergangenen Jahr, seinen Heim-GP gewonnen und damit seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft abermals ausbauen können. Satte 109 Punkte führt der Niederländer vor Charles Leclerc und Sergio Perez, die beide mit jeweils 201 Punkte auf den Plätzen 2 und 3 liegen. Doch so leicht war der Sieg dieses Mal nicht für Verstappen. Anders als noch vor einer Woche in Spa, musste er, wie er selbst im Interview sagte, dieses Mal härter für den Sieg arbeiten.

Im Interview nach dem Rennen waren seine Worte: „Es sah wie ein klares Rennen aus. Aber wir mussten die ganze Zeit pushen. Beim VSC gab es ein paar Fragezeichen, aber wir haben alles richtig gemacht. Mit den soften Reifen waren wir richtig schnell unterwegs.“

Insbesondere zwei Safety-Car-Phasen, davon eine Virtual-Safety-Car-Phase, ließen das Rennen nochmal spannend machen. Dass es überhaupt spannend wurde, lag vor allem auch an den beiden Mercedes-Piloten, die – zumindest bis zur letzten Safety-Car-Phase – ihren Job gutmachten.

Während Mercedes noch beim Belgien-GP fast zwei Sekunden auf die Spitze fehlten, was insbesondere Lewis Hamilton ziemlich schockte, war man heute näher an einem Sieg dran, als jemals zuvor in dieser Formel 1-Saison. Insbesondere taktierte man mit seinen Boxenstopps insoweit gut, dass es zunächst der Plan war, mit den harten Reifen durchzufahren, während Verstappen zwei Mal hätte zum Boxenstopp kommen müssen. Doch das Wirr-Warr bei Yuki Tsunoda, der zunächst erst an einer äußerst ungeschickten Stelle sein Auto parkte, weil er glaubte, eines seiner Reifen sei nicht richtig montiert gewesen, dann aber doch – wenn auch langsam – weiterfahren konnte und es aus eigener Kraft in die Box schaffte, das Alpha Tauri-Team ihn dann kurzerhand wieder auf die Strecke schickte, bevor er dann endgültig sein Auto abstellte, was zur Konsequenz eine VSC-Phase hatte. Genau jener Vorfall wird von den Stewards nach dem Rennen nochmal überprüft. Eine mögliche Strafe für das Team scheint denkbar, wenn sich der Verdacht bestätigt, dass das Team ein defektes Auto nochmal auf die Strecke schickt, obwohl man wusste, dass es nicht mehr ordnungsgemäß fahren würde.

Die VSC-Phase nutzte – nicht nur Max Verstappen sondern – auch das Mercedes-Team und holte beide Piloten zum Doppelboxenstopp rein. Damit war klar, man zielt darauf ab, die Plätze 2 und 3 nach Hause zu fahren. Oder um es mit anderen Worten zu beschreiben, man wollte durch diesen Doppelboxenstopp zwingend vor den Ferraris bleiben und gab die Möglichkeit auf den Sieg dadurch auf. Doch die zweite Safety-Car-Phase, die dann auch eine reguläre war, also Bernd Mayländer auf die Strecke geschickt wurde, gab dem Rennen nochmals Spannung. Durch das Aus von Valtterie Bottas, bot sich für einige Teams nochmals die Gelegenheit frische Reifen zu bekommen. Die nutze vor allem Max Verstappen, der zuvor von den harten Reifen, die insgesamt deutlich besser funktioniert hatten, wie der Medium-Reifen und holte sich zum Endspurt die Softreifen. George Russell im Mercedes allerdings, der zuvor über Funk sich besorgt zeigte, ob seine jetzigen Medium-Reifen bis zum Rennende durchhalten würden, kam daraufhin in die Box und bekam Softreifen, während Lewis Hamilton, bis dato auf Platz 1 liegend, draußen blieb. Nach dem das Safety-Car wieder reinkam, überholte Max Verstappen seinen Vorjahreskonkurrenten direkt auf Start-Ziel. Hamilton, ziemlich sauer, funkte: „Das war ein mega Fuck-up“. Doch nicht nur Platz 1 war – wie erwartet – futsch, sondern auch sein Teamkollege kassierte ihn auf seinen Soft-Reifen. Wäre das Drama nicht schon groß genug, holte auch Charles Leclerc, der sich bis dahin mit Platz 4 abzufinden schien, Lewis Hamilton ein. Nicht nur der Traum vom ersten Saisonsieg war hin, sondern auch das Podium. Nur mit Mühe konnte Hamilton auf seinen ziemlich zu Ende neigenden Medium-Reifen Carlos Sainz hinter sich lassen.

© twitter.com/ScuderiaFerrari
Ferrari macht sich mehr und mehr zum Clown

Ferrari indes scheint in dieser Formel 1-Saison nicht nur an Zuverlässigkeitsprobleme, Strategiefehler, Kommunikations- und Fahrfehlern zu leiden, sondern auch mathematische Probleme zu haben. In der 15. Runde kam Carlos Sainz zum planmäßigen Boxenstopp. Doch die Boxencrew hatte statt vier Reifen, wie es hätten sein sollen, nur drei Reifen aus der Box „mitgebracht“. Ein seltendes Bild, dass man einen Reifen schlichtweg vergessen hatte. Teamchef Mattia Binotto sagte wenig später im Sky UK-Interview, dass die Mechaniker zu spät informiert worden wären und es ziemlich chaotisch zuging. Einmal mehr ein Bild, wie es in die katastrophale Ferrari-Saison passt. Und zu allem Übel lag auch noch der Schlagschrauber so „ungeschickt“, dass Sergio Perez nach seinem Boxenstopp drüber fuhr. Wie Ralf Schumacher im Sky-Kommentar sagte, kostet solch ein Schlagschrauber stolze 150.000 Dollar. Gemessen an den Pleiten, Pech und Pannen in dieser Saison, scheint das eher ein kleines Problem gewesen zu sein.

„Alle guten Dinge sind 3“, sagt man bekanntlich nach einem Sprichwort. Bei der Scuderia Ferrari allerdings bedeutete es, eine weitere Katastrophe, denn beim Stopp von Carlos Sainz schien man den Ferrari-Piloten zu früh loszuschicken, also die Ampel auf „Grün“ zu setzen und vergaß dabei, dass Fernando Alonso direkt an ihm vorbeifuhr. Konsequenz? „Unsafe Release“, wie die Rennkommissare später feststellten und ihn mit einer Fünf-Sekunden-Strafe belegten. Damit war für Carlos Sainz der fünfte Platz futsch. Durch die Strafe rückte er auf Platz 8 zurück. Wertvolle Punkte, vor allem in der Konstrukteurs-Wertung, wo man nach dem Rennen in Zandvoort wieder nur noch 30 Punkte vor Mercedes auf dem zweiten Rang liegt, gingen dadurch flöten.

Charles Leclerc sagte nach dem Rennen im Interview: „Es war schwierig, mehr zu holen. Wir hatten Probleme mit dem Safetycar. Max war einfach zu schnell heute und die Mercedes sind geflogen auf dem harten Reifen. Das müssen wir analysieren, warum das bei uns nicht geklappt hat.“

© LAT Photo
Haas versaut Mick Schumacher die Chance auf Punkte

Mit komplett leeren Händen steht am Ende Haas da, die ein aussichtssreiches Rennen von Mick Schumacher durch einen über 12 Sekunden andauernden ersten Boxenstopp früh in den Sand von Zandvoort setzte. Auch der zweite Stopp von Mick Schumacher war mit 4,9 Sekunden kaum besser als der vorherige. Das tolle Qualifying-Ergebnis (Platz 8) des deutschen Piloten, der nach wie vor um einen Verbleib in der Königsklasse hoffen muss, wurde am Ende durch die beiden gravierenden Boxenstopp-Fehler des Teams zunichte gemacht. Möge man nun hoffen, dass Teamchef Günther Steiner ihn nicht erneut öffentlich „anzählt“ und Leistungen fordert, die der Sohn des siebenmaligen Weltmeisters durchaus hätte erbringen können, wenn das Team schlichtweg nicht zu unfähig gewesen wäre, die beiden Boxenstopps korrekt auszuführen. Am Ende blieb für Mick Schumacher jedenfalls nur ein enttäuschender 13. Platz. Als kleines Trostpflaster bleibt ihm immerhin, dass er vor seinem Teamkollegen Kevin Magnussen (Platz 15) ins Ziel gekommen war.

Katastrophales Zandvoort-Wochenende für Vettel zu Ende gegangen

Auch für den anderen deutschen Piloten Sebastian Vettel ging in den Niederlanden überhaupt nichts. Während sein Teamkollege Lance Stroll am gesamten Wochenende eine gute Performance an den Tag legte und auch im Qualifying sich eine gute Startposition herausfuhr und im Rennen einen WM-Punkt mit nach Hause nehmen konnte, lief für Vettel so ziemlich alles schief. Im Qualifying durch einen eigenen verbockten Fehler nur von Platz 19 startend, endete das Rennwochenende für ihn in Zandvoort nur auf einem 14. Platz.

TV-Tipp: Die Renn-Analyse zum Großen Preis der Niederlande – Am Montag, 5. September 2022 um 19:00 Uhr live im Stream auf Champ1 mit Bernd Mayländer und Marc Surer







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