Formel 1 NEWS

Starke Empfehlung! Nyck de Vries gewinnt auf Anhieb zwei WM-Punkte

Der fünfte Sieg in Folge! Max Verstappen ruiniert Ferrari-Party und gewinnt hinter dem Safety-Car

© Getty Images / Red Bull Content Pool


von Timo C. Storost
11.09.2022, 18:25 Uhr


Zugegeben, ein wirklich spannendes Formel 1-Rennen, haben wir an diesem Rennsonntag nicht gesehen, obwohl es in Runde 48 danach aussah, als würde in den letzten fünf Runden des Rennens nochmal Spannung aufkommen. Doch weit gefehlt...

Als um kurz nach 15:00 Uhr Ortszeit das Rennen zum Großen Preis von Italien begann, schien die Welt für Charles Leclerc noch hoffnungsvoll zu sein. Im Qualifying fuhr der Monegasse seine 17. Pole-Position und zog mit Max Verstappen gleich. Der Niederländer, hatte wie schon zwei Mal zuvor (in Ungarn und in Spa jeweils) von weiterhinten sein Rennen starten müssen. Statt Pole oder zumindest die erste Startreihe, ging es für Verstappen von Platz 7 ins Rennen. Doch wer die Rennen in Ungarn und in Spa gesehen hat, der weiß, dass das kein Hinderniss für Verstappen darstellt, das Rennen nicht doch zu gewinnen. Und so kam es und auch das Safety-Car, dass in Runde 48 – für viele verspätet – herauskam, als Daniel Ricciardo aufgrund eines technischen Problems sein Auto vorzeitig abstellen musste und den Gang nicht mehr herausbekam, hätten daran wohl nichts ändern können, holte sich seinen 31. Karriere-Sieg. Wie schon in Verstappens beiden Rennen zuvor, pflügte sich der Niederlander ruck zuck durch das vor ihm fahrende Feld und war bereits nach 13 Runden in Führung, als das Virtual-Safety-Car kam und Leclerc – vielleicht fataler Weise zu früh – in die Box fuhr und sich neue Reifen holte. Er hätte – gemessen ab diesem Zeitpunkt – 40 (!) Runden auf den Medium-Reifen fahren müssen, wenn man die 1-Stopp-Strategie durchgezogen hätte. Kaum vorstellbar, dass das funktioniert hätte, hatte man schon früh im Rennen beobachten können, wie erneut Max Verstappen zum Reifenflüsterer wurde und mit den Soft-Reifen annähernd so schnell fahren konnte, wie Charles Leclerc auf frischen Medium-Reifen. Spätestens da war für Ferrari klar: So wird das auch heute nichts.

© twitter.com/scuderiaferrari
Erst in Runde 26 kam dann Verstappen an die Box, während Leclerc die Führung wieder übernahm. Auch der Red Bull-Pilot bekam frische Medium-Reifen, konnte aber ordentlich aufholen, während sich die Scuderia vom Plan, das Rennen mit einer 1-Stopp-Strategie durchzufahren, kurzerhand wieder verabschiedete und von „Plan A“, „Plan B“ und „Plan C“ sprach. In Runde 34 kam dann Leclerc erneut an die Box und bekam wieder die weichste aller Reifenmischungen. Doch anders als bei Verstappen, zündeten die Soft-Reifen bei Leclerc kaum, so dass Verstappen nahezu konstant rund 20 Sekunden auf Leclerc Vorsprung hatte. Leclerc, der die bis dato schnellste Runde fuhr, somit also einen Extra-Punkt bekommen würde, wurde von Verstappens Teamkollege Sergio Perez abgelöst, der in Runde 43 ebenfalls frische Reifen bekam und sodann Leclerc die schnellste Runde und damit den Zusatzpunkt wieder abnahm. Hätte Leclerc bis zum Ende hin, die schnellste Runde behalten, hätte Verstappen seinen WM-Vorsprung nicht um acht, sondern „nur“ um sieben Punkte ausbauen können. In Runde 48 kam dann – mit etwas Verspätung – das Safety-Car, dass zunächst in den Fernsehbildern gar nicht zusehen war und ein Wirr-Warr auslöste, als Bernd Mayländer nicht den Führenden, sondern George Russell hinter sich hatte. Es dauerte zunächst einige Zeit, bis dann mit Max Verstappen der richtige Fahrer hinter dem Safety-Car war. Doch zwischen Verstappen und Leclerc waren noch Tsunoda und Bottas. Während sich andere Fahrer zurückrunden durften, blieben die beiden Piloten bis zum Rennende hinter dem Safety-Car.

Man brauchte einige Zeit, bis man zunächst den Gang aus Daniel Ricciardos Auto herausbekam und auf „Neutral“ stellen konnte. Bis letztlich das Auto wegtransportiert werden konnte und auch der – irgendwann nicht mehr im Bild sichtbare – Traktor von der Strecke verschwunden gewesen wäre, hätte es noch einige Zeit gebraucht, so dass das Rennen schlussendlich und zum missfallen von Ferrari, hinter dem Safety-Car, ohne einen Restart beendet wurde. Die Pfiffe auf der Strecke in Monza waren laut und verständlich. Auch Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko bedauerte im anschließenden Sky-Interview, dass das Rennen keinen Restart erfahren hat und sagte, dass man hätte schneller das Auto von der Strecke schaffen musste. Für Charles Leclerc jedenfalls blieb es am Ende beim 2. Platz, während George Russell abermals auf dem Podium landete, während Teamkollege Lewis Hamilton das Rennen auf dem fünften Platz beendete. Für Toto Wolff war es, wie er später im Interview sagte: „Schadensbegrenzung“.

Leclerc Teamkollege Carlos Sainz hingegen, der von Platz 18 ins Rennen startete, schaffte eine wahre Aufholjagd und kam am Ende auf einen guten 4. Platz. Dennoch dürfte man in Maranello alles andere als glücklich sein. Max Verstappen – der nun im 16. Rennen bereits 11. Mal gewinnen konnte – führt nun mit 116 Punkten vor Charles Leclerc.

Schon beim nächsten Rennen in drei Wochen in Singapur, kann der Niederländer Weltmeister werden, wenn er das Rennen gewinnt und Leclerc maximal Vierter wird. Für Helmut Marko, der darauf im Sky-Interview angesprochen wurde, wäre Singapur eine gute Strecke zum feiern.

© twitter.com/WilliamsRacing
Ein anderer Pilot hat nach dem Rennen in Italien auch einen ordentlichen Grund zum feiern. Nyck de Vries, der am Freitag noch im 1. Training anstelle von Sebastian Vettel im Aston Martin fuhr, durfte am Samstag kurz vor Beginn des 3. Trainings als Ersatzfahrer für Alex Albon an den Start gehen, der über eine Blinddarmreizung klagte. Wenig später war für den Williams-Piloten klar, er müsse operiert werden. Damit ging es für de Vries vom Aston Martin in den Williams, absolvierte ein hervorragendes Qualifying und kam – bedingt auch durch die Strafversetzungen anderer Piloten – auf Platz 8. Wie Williams-Teamchef Jost Capito nach dem Rennen im Sky-Interview ihn lobte, habe er einen richtig tollen Job gemacht, habe sich gut verteidigen, aber auch angreifen können. Toto Wolff, Teamchef von Mercedes sagte, er würde die Welt nicht mehr verstehen, wenn nicht einer der Teams, die aktuell noch ein Cockpit für 2023 zu vergeben haben, Nyck de Vries als Stammfahrer verpflichten würden. Für Nicholas Latifi eine absolute Höchststrafe, dass Nyck de Vries ins Auto springt ohne jedwede Vorbereitung und am Ende sogar gleich zwei WM-Punkte holen konnte. Damit dürfte die Zukunft von Latifi, der ohnehin stets unter Kritik steht, wohl geklärt sein und die Chance auch im nächsten Jahr noch im Williams zu sitzen, fast gegen Null tendieren.

Für die deutschen Piloten war es eher ein sehr durchwachsenes Rennen. Während Sebastian Vettel aufgrund eines Motorschadens sein Rennen in der 12. Runde beenden musste, kam Mick Schumacher im Haas zwar am Ende auf Rang 12, doch gerade auf den Geraden war man alles andere als konkurrenzfähig im Vergleich mit den Williams, wie Schumacher selbst anschließendend im Sky-Interview sagte. Doch sagte er auch, er sei auch positiv überrascht, weil er mit einem deutlich schlechteren Rennen gerechnet habe. Sein Teamkollege Kevin Magnussen hingegen musste bei seinem ersten Boxenstopp gleich erstmal fünf Sekunden stehen bleiben, weil er von den Rennkommissaren eine Strafe bekam, weil er regelwidrig beim Beginn des Rennens abkürzte und die dadurch gewonnene Position nicht wieder zurückgab.

Für Vettel, angesprochen auf die Frage, ob Singapur dem Auto besser liegen könne, als in Monza, sagte er, könne es dort kaum schlechter laufen, als hier. Na wenn das mal keine positiven Gedanken sind an das 17. Rennen, das erst in drei Wochen stattfindet.

TV-Tipp: Die Renn-Analyse zum Großen Preis von Italien – Am Montag, 12. September 2022 um 19:00 Uhr live im Stream auf Champ1 mit Marc Surer und Jochen Mass.







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