Formel 1 NEWS

Nach Rassismus-Entgleisung

Nelson Piquet entschuldigt sich und spricht von „Übersetzungsfehler“

© dpa/Janos Marjai / Imago


von Timo C. Storost
29.06.2022, 23:00 Uhr


Dieses Thema erhitzt – zurecht – die Gemüter. Ex-Formel 1-Champion Nelson Piquet soll sich im Anschluss an das Silverstone-Rennen im vergangenen Jahr in einem Interview mit dem Journalisten Ricardo Oliveira mit den Worten „Der kleine N***** stellt das Auto so hin, weil er keine Chance hatte, in dieser Kurve zwei Wagen zu überholen. Es ist ein Witz! Er hat Glück, dass es nur Verstappen erwischt hat“, auf portugiesisch geäußert haben.

Auslöser war die Szene zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen, die sich während des Rennens abgespielt hatte. Hamilton und Verstappen crashten, während der Niederländer nach dem Crash nicht nur ins örtliche Krankenhaus kurzzeitig zum vorsorglichen Gesundheitscheck musste, sondern zugleich wertvolle WM-Punkte im Kampf mit dem Mercedes-Piloten verlor, während Hamilton trotz einer ausgesprochenen Zeitstrafe durch die Stewards seinen Heim-Grand Prix gewinnen konnte.

Erst kürzlich wurde das Interview von Piquet und dabei insbesondere seine Äußerungen öffentlich. Unmittelbar nach Veröffentlichung jener Aussagen, bezogen sowohl das Mercedes-Team, als auch die Formel 1 selbst Stellung und verurteilten die Aussagen Piquets auf das schärfeste. Auch Lewis Hamilton meldete sich auf Twitter mit den Worten: „Es ist mehr als Sprache. Diese archaischen Denkweisen müssen sich ändern und haben in unserem Sport keinen Platz.“

Doch dabei blieb es nicht. Die Formel 1-Welt solidierte sich mit dem 7-fachen Champion. Während Max Verstappen zu den Äußerungen des Vaters seiner Freundin Kelly Piquet schwieg, schlugen sich auch die konkurrierenden Teams, wie McLaren, Ferrari und Aston Martin. Seine Formel 1-Kollegen stärkten Hamilton, wie etwa Lando Norris, Charles Leclerc und Esteban Ocon den Rücken. Vor allem sein Teamkollege George Russell fand dabei sehr starke Worte: „Großen Respekt an Lewis. er hat mehr für den Sport getan als jeder andere Fahrer in der Geschichte, nicht nur auf, sondern neben der Strecke. Der Fakt, dass er und andere immer noch mit diesem Verhalten leben müssen, ist inakzeptabel. Wir alle müssen zusammenstehen gegen Diskriminierung jeglicher Art.“

Nun hat sich Nelson Piquet selbst zu den Anschuldigen geäußert und sich – mehr oder weniger – dafür entschuldigt.

In einem ausführlichen Statement sagte er:

„Was ich gesagt habe, war unbedacht, und ich wehre mich nicht dagegen, aber ich möchte klarstellen, dass es sich bei dem verwendeten Begriff um einen handelt, der weithin und historisch betrachtet im brasilianischen Portugiesisch umgangssprachlich als Synonym für "Kerl" oder "Person" verwendet wird, und nie beleidigend gemeint war. Ich würde das Wort, das mir in einigen Übersetzungen vorgeworfen wird, niemals verwenden. Ich weise jede Vermutung entschieden zurück, dass ich das Wort mit dem Ziel verwendet habe, einen Fahrer wegen seiner Hautfarbe herabzusetzen.“

Piquet sprach also davon, es handele sich dabei um einen „Übersetzungsfehler“. Ob das so zutreffend ist und ob die Worte des ehemaligen Champions die Gemüter beruhigen können, wird sich wohl erst mit der Zeit entscheiden.

Auch im aktuellen Champ1-Formel 1-Talk „Motorsport Arena – Der Talk“ (Folge 11 vom 29.06.2022) mit F1-Reporter Kai Ebel sind die Äußerungen Nelson Piquets Thema. Die ganze Folge gibt es hier in voller Länge und kostenlos.




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